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Easybell-Datenschutz: Telefonrechnung ohne Rufnummer

Datenschutz Piktogramm
Gerd Altmann / pixelio.de

Eine Telefonrechnung kann sehr praktisch sein. Etwa, weil man sie beim Finanzamt einreichen kann, die Kosten kontrollierbar bleiben. Andererseits kann man sich mit einer Telefonrechnung normalerweise bei StartSSL zertifizieren lassen, eine so genannte Class 2 Identity Validation.

Dämlicherweise gibt es Firmen, die den Datenschutz allzu ernst nehmen. Easybell gehört wohl dazu. Natürlich kann es auch sein, dass ich hier einen einschlägigen Paragrafen nicht kenne. Jedenfalls machte mir weiland die Telefonrechnung einen Strich durch selbige. Die folgende Begebenheit rief Unverständnis bei mir hervor.

StartSSL und die Telefonrechnung

StartSSL stellt gegen ID-Dokumente, derzeit ca. $ 60.00 und einer Telefonrechnung (damit Sie einen anrufen können) einen Class 2-Status bereit. So erhielt ich nach dem Einreichen der geforderten Dokumente (Personalausweis, Gesundheitskarte und Führerschein) eine E-Mail, ich möge doch besagte Telefonrechnung nachreichen. Gesagt, getan.

This electronic mail message was created by StartCom’s Administration Personnel:

 

Thank you for your Class 2 Identity Validation request. Do you perhaps have a recent invoice of your phone or mobile bill, showing your name, address and phone number?

 

 

Best Regards

 

<Name>

StartCom Ltd.

StartSSL™ Certification Authority

Leider kam die Antwort zurück, dass dort keine meiner Telefonnummern zu finden sei. Ich habe noch einmal draufgeguckt: Tatsache. Easybell verschickt die Rechnungen, ohne die Leistung detailliert zu beschreiben. Man erfährt nicht, welche Telefonnummer zugebucht wurde. Es ist lediglich der Rechnung zu entnehmen, dass eine Telefonnummer zugebucht wurde.

Üblicher Weg: Ein kurzer Anruf

Zum Teil der Class 2 Identity Validation gehört der Anruf. Damit soll sichergestellt werden, dass die Person wirklich existiert. Die Rufnummer soll dabei über eine Rechnung (invoice) ermittelt werden. Diese lässt sich allerdings fälschen – trotzdem ist es kein Grund für StartSSL/StartCom, nicht darauf zu vertrauen.

Das dieser Anruf gut und schnell funktioniert, lässt sich zum Beispiel bei Kernel-Error nachlesen. Auch bei Riecken und Markus Hansen lässt sich dieses Vorgehen nachlesen.

Alternative bei StartSSL: SnailMail

Für StartSSL natürlich kein Problem. Es wird eine Mail auf dem üblichen Postweg kommen. Ich kriege also wahrscheinlich demnächst Post aus Israel. Die Sache ist für mich damit erledigt.

Mein Vorschlag war dann, meinen Anbieter zu kontaktieren, damit meine Telefonnummern auf der nächsten Telefonrechnung erscheinen.

 [..]

Beside this. I’ll put a request to my phone provider if they can add phone numbers to invoices.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Benjamin Marwell

Für mich war die Sache recht einfach. Ich tue anderen Easybell-Kunden etwas Gutes, in dem Sie demnächst eine detailliertere Telefonrechnung erhalten. Falls jemand bei StartSSL eine Class 2 Identity Validation erhalten möchte, kann er das demnächst als Easybell-Kunde über seine Telefonrechnung erledigen. Denkste.

Datenschutz bei Easybell

Leider machte mir Easybell einen Strich durch die Rechnung. Als Antwort kam zurück:

Sehr geehrter Herr Marwell,

 

vielen Dank für Ihre Nachricht.

 

Aus Datenschutzgründen werden die Rufnummern wie die Einzelverbindungsnachweise nicht in die Rechnungen übernommen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

U.

easybell-Billing

Okay, dachte ich. Ich wurde falsch verstanden. Ich möchte natürlich meine eigenen Nummern in meiner Rechnung sehen.

Also noch einmal den Sachverhalt geklärt. Leider fiel die Antwort ähnlich aus:

Sehr geehrter Herr Marwell,
vielen Dank für Ihre Nachricht.

Es werden keine Rufnummern auf unseren Rechnungen aufgeführt.

Mit freundlichen Grüßen

U.

easybell-Billing

Datenschutz vor mir selbst

Das führt die Sache doch aus meiner Sicht wirklich ad absurdum. Warum darf ich auf meiner eigenen Telefonrechnung keine meiner eigenen Telefonnummern sehen? Ich möchte ja schließlich wissen, für welche Telefonnummer ich einen Extra-Beitrag zahle. Hier ein Ausschnitt aus der Easybell-Telefonrechnung:

Rechnung Easybell - Ausschnitt
Wenig detailliert Rechnung von EasyBell

Man kann deutlich erkennen, dass die Leistung nicht vollständig aufgeführt ist. Laut § 14 Abs. 4 Nr. 5 UStG muss eine Rechnung die Menge und die Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände oder den Umfang und die Art der sonstigen Leistung enthalten.

Jetzt lässt sich hierrüber natürlich vorzüglich Streiten. Es handelt sich nicht um gelieferte Gegenstände, womit die erste Satzhälfte schon einmal wegfällt. Der Umfang ist vorhanden – eine Ortsrufnummer (1 Stk). Jetzt ist die Frage, welches die Art einer Leistung ist. Für mich genau genommen: Woraus besteht die Leistung? Aus einer Ortsrufnummer für den Monat 06-2013. Keine Frage, das ist richtig. Aber ist es vollständig? Für mich würde aus Prinzip noch dazugehören, welche Rufnummer(n) für diese Leistung in Frage kommen. Immerhin habe ich zwei: Eine, die in der Leistung „Komplett easy VDSL“ vorhanden ist, und eine weitere Ortsnummer, die in Position 2 enthalten ist. Die Zuordnung ist aber mit der Rechnung von Easybell nicht mehr möglich.

Ich finde auch fraglich, ob die Begründung des Datenschutzes diesee Regelung überwiegen kann.

Easybell-Kunden haben das Nachsehen

Aus dem Sachverhalt ergibt sich für mich folgendes Bild:

  1. Die Rechnung wird schwer beim Finanzamt einzureichen sein, wenn man etwa Gewerbe angemeldet hat und nur eine Rufnummer abrechnen möchte.
  2. Die Rechnung eignet sich nicht, um damit eine StartSSL Personal Validation zu beantragen.
  3. Die Begründung mit dem Datenschutz ist in diesem Fall völlig Hirnrissig. Warum sollte man meine eigene Telefonnummer vor mir verstecken müssen?

Die Musterrechnung der Telekom für Geschäftskunden weist auf Seite zwei die Telefonnummer auf. Der von easybell behauptete Datenschutz kann also nicht gesetzlich begründet sein, würde ich daraus ableiten. Ob es richtig ist? Schwer zu sagen.

Handyrechnung klappt auch

Ich versuche nun noch als schnelle Alternative, mir eine Rechnung bei meinem Mobilfunkanbieter Fyve zu besorgen. Dieser schickt die Handyrechnungen allerdings nur auf Anfrage zu, da es sich um einen Pre-Paid-Tarif handelt. Und auch nur per Post, also nicht als PDF per Mail. Wirklich viel schneller ist mal also nicht, als über den Weg, sich von StartCom einen Brief schicken zu lassen.

Wahrscheinlich sind das aber Probleme, die nur wenige betreffen. Prepaid-Tarife haben allerdings kürzlich geradezu einen Boom erhalten, nachdem viele neue Anbieter auch in neuen Medien wieder mehr Werbung fahren.

Frage an meine Leser

Wer kann mir die Begründung geben, warum eine bestellte Rufnummer aus Datenschutzgründen nicht auf der Telefonrechnung erscheinen darf?

Ich freue mich über eine fundierte Diskussion!

 

Published inIT-News-Kommentare

4 Comments

  1. Tja, vielleicht sollte man mal „aus Datenschutzgründen“ Einzugsermächtigung ohne die Kontonummer senden. *facepalm*
    Ist zwar nett zu hören, dass die Bürger aus Schilda auch in der modernen Zeit passende Jobs gefunden haben, aber den Kunden derart vor sich selbst zu „schützen“ ist wirklich abenteuerlich. Und ziemlich sicher nicht gesetzeskonform. Dranbleiben und notfalls den Anbieter wechseln!

    • Benjamin Marwell Benjamin Marwell

      Deswegen werde ich den Anbieter nicht kündigen. Er hat einfach zu gute Tarife und Konditionen – darunter übrigens monatlich kündbar.

  2. Der Grund ist vielleicht, daß du als Privatkunde angemeldet bist, diese müssen meiner Meinung nach nicht mal zwingend eine Rechnung bekommen. Als Geschäftskunde mußt du nur das Wort „Abmahnung“ in den Mund nehmen, nach dem „Ab…“ bekommst du sofort eine Rechnung 🙂

    • Benjamin Marwell Benjamin Marwell

      Das wäre mir sehr neu. Es ist auch wider dem zitierten § 14 UStG, den ich zitiere – natürlich muss (spätestens auf Verlangen) eine Rechnung ausgestellt werden.

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