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Warum das Nokia 301 kein Smartphone ist

Vor einiger Zeit wurde ich dauf das Nokia 301 aufmerksam, welches von Microsoft als Smartphone bezeichnet wird. Es ist ein seh klassisch gehaltenes Telefon, welches versucht die Parallelen zwischen der alten und der neuen Welt zu ziehen. Warum das meiner Meinung nach nicht gelingt, beschreibe ich in diesem Review zum Nokia 301.

Nokia 301: Das Nicht-Smarte Phone
Nokia 301: Das Nicht-Smarte Phone

Was macht ein Smartphone überhaupt aus?

Damit man beurteilen kann, ob das Nokia 301 ein Smartphone ist, muss man natürlich erst einmal den Begriff „Smartphone“ definieren. Für mich gehören dazu einige Dinge mehr als die bloße Internetfähigkeit, ein Appstore und ein GrabbelTouch-Display.

Sensoren au masse

Klar, Sensoren gehören in ein Smartphone, also auch in das Nokia 301. Dazu gehören für mich folgende Komponenten:

Gyro-/Lagesensor

Der Lagesensor prüft, in welchem Winkel sich das Telefon befindet, ob es geschüttelt wird, oder ob der Benutzer sich bewegt. Das ermöglicht Apps, die darauf reagieren. Dazu gehören Murmelspiele, aber auch Schrittzähler, Kompass, das automatische Drehen des Bildschirms (für Fotos) und vieles mehr. Der Lagesensor ist aus keinem modernen Smartphone mehr wegzudenken, und schon die allerersten Smartphones hatten einen Lagesensor.

Beschleunigungssensor

Dieser arbeitet üblicherweise in Kombination mit dem Gyrosensor und ist für Bewegungsaufnahme und Navigations-Apps, aber auch für Fitness-Apps interessant.

Kompass

Auch der Kompass ist ein „Must-Have“, da er für die Navigation benötigt wird. Auch für die sog. GPS-Schnitzeljagd (Geocaching) und für Abenteurer ist der Kompass ein Muss.

Annäherungssensor

Klingt wie eine Spielerei, erfüllt aber einen äußerst praktischen Zweck: Ohne einen Annäherungssensor würde der Bildschirm beim Telefonieren nicht abgeschaltet werden. Dadurch wird Akkuladung gespart, sowie ein versehentliches Berühren der Bedienelemente mit dem Gesicht oder dem Ohr ausgeschlossen.

Helligkeitssensor

Kein Muss, aber praktisch: Die Helligkeitsmessung. Dadurch kann das moderne Display gedimmt oder erhellt werden, sich also an die Umgebungshelligkeit anpassen. Er ist wegen der begrenzten Akkulaufzeiten quasi ein Standard.

Fingerabdrucksensor (optional)

Komfortables, aber unsicheres Entsperren ist mit einem Fingerabdrucksensor möglich. Er wird sehr selten verbaut, weil er nur gering höheren Komfort und eine zweifelhafte Sicherheit bietet.

Pulsmesser (optional)

Es können zwar Ant+-Geräte angeschlossen werden, aber zur Not tut es auch ein eingebauter Pulsmesser im Galaxy S5.

Barometer (optional)

Das Barometer erlebt im Smartphone eine echte Renaissance: Die Luftdruckbestimmung erlaubt eine ungefähre Höhenbestimmung. Sie beschleuningt daher das Auffinden eines GPS-Signals enorm. Solche Techniken nennen sich A-GPS.

Konnektivität

Klar, das Gerät muss sich irgendwie mit der Außenwelt verbinden. Dazu gehören moderne Funk- und Kabelstandards.

WLAN / WiFi

Der wohl vorherrschende Verbindungsstandard in Deutschland, wo echte Flatrates quasi nicht existent sind. Ohne WLAN gibt es keine dicken Datenübertragungen, etwa für Apps und große Dateien, Filme etc. Ein Smartphone ohne WLAN ist daher schwierig – alle übertragenen Daten gehen zu Lasten des Datentarifs des Mobilfunkanbieters. Jede Aktualisierung kostet Daten, auch ein YouTube-Video kann wohl ohne WLAN nur notfalls geguckt werden.

Auch das bloße erkennen fremder WiFi-Netze dient einem Zweck: Da Google die Hardware-Adressen mit den dazugehörigen Koordinaten kennt, kann das GPS-System den Standort schneller bestimmen. Die Technik nennt sich wie oben bereits erwähnt „Assisted GPS“ (A-GPS).

HSDPA+ und LTE

Auch unterwegs nutzt man heutzutage schnelles Internet. Doch mal einen YouTube-Film schauen? Dank HSDPA und LTE kein Problem. Musik lokal gespeichert? Nicht auf Google-Smartphones ohne SD-Slot – die wird gestreamt. Auch Dateien sind für die Cloud und werden nur bei Bedarf lokal gespeichert. Fotos werden im Moment der Aufnahme schon online gesichert.

Bluetooth

Die Frage ist nicht, ob ein Telefon Bluetooth hat, sondern welchen Bluetooth-Standard es unterstützt. Neben verschiedenen Versionsnummern gibt es verschiedene Unter-Techniken, etwa Telefonkopplung, Kopfhörer, Dateiübertragung, etc. – die Dateiübertragung wird etwa von Apples I-Phones nicht unterstützt.

Neuere Bluetooth-Versionen sind auch deutlich stromsparender (Low Energy [LE], bzw. Bluetooth Smart). Aber auch die Hauptversionsnummern heben den Standard auf eine jeweils stromsparendere Variante, bzw. beschleunigen die Datenübertragung.

NFC

Auch wenn es in Europa noch kaum genutzt wird, ist NFC einer der nächsten Standardkomponenten in Smartphones. Nahfeldfunk bietet die Möglichkeiten, kontaktlos zu bezahlen oder Daten auszulesen, indem eine räumliche Nähe hergestellt wird. Damit kann auch das Guthaben einer Girokarte ausgelesen werden, oder das Telefon je nach Ablageort gesteuert werden.

Technische Spezifikationen

Auch weitere technische Spezifikationen sind üblich, sie als smartphonespezifisch zu bezeichnen. Da der Übergang zum Tablet (sog. »Phablets«) inzwischen fließend ist, gehe ich nur auf gewisse Mindestwerte ein. Auch auf diese prüfe ich das Nokia 301.

Bildschirmauflösung

Nokia 301: Kein Touch, Menü wie früher…
Nokia 301: Kein Touch, Menü wie früher…

Zum Videoschauen genügt eine Auflösung von 320×480 Pixeln, das hatten die ersten Android- und iOS-Geräte im Jahr 2009. Heute liegen die Auflösungen üblicherweise bei mindestens 1080x720px (720p) oder darüber. Auch das Betrachten von Fotos macht sonst keinen Spaß – entweder man sieht zu wenig oder aber man scrollt zu viel.

Bildschirmdiagonale

Der Wert hängt zwar auch mit der Auflösung zusammen, aber Webseiten brauchen einen gewissen räumlichen Platz ungeachtet der Auflösung. Alles unter 3.5″ (ca. 8.9cm) ist eines Smartphones nicht würdig.

Touchscreen

Da die Kombination aus Tastatur und Maus fehlt, springt zur Navigation in Apps und beim Browsen der Touchscreen ein. Alles andere ist zu umständlich und kann wohl kaum als Smartphone bezeichnet werden. Ausnahme: Ausklappbare Tastaturen. Dazu zähle ich aber nicht die Zifferntastaturen beim Nokia 301, obgleich man damit auch schnell Texte tippen kann.

Farbdarstellung

Neben einer Farbdarstellung mit mindestens 24bit ist es wichtig, einen großen Farbraum darstellen zu können – mindestens jedoch sRGB. Sonst sehen Fotos und Videos farbverfälscht aus – aber gerade diese Eigenschaft möchte man bei Smartphones nicht missen.

GPS – Global Positioning und GLONASS

Zur Lagebestimmung sind in Smartphones an sich immer GPS-Sensoren verbaut, die die Navigation mit Apps erst möglich macht (man denke an Google Maps).

Zusätzlich wird oftmals das russische System GLONASS (ГЛОНАСС) genutzt. Dieses ist das Pendant zum amerikanischen GPS und europäischen Galileo (noch in Entwicklung).

Software der Smartphones

Apps (Applikationen zum Installieren)

Natürlich ist ein Smartphone nur ein Smartphone, wenn man eine große Auswahl – zumindest aber eine beschränkte Auswahl – an Apps aus einem AppStore hat. Die Top-Apps* sind dabei YouTube, WhatsApp, oder eine Kontaktsynchronisierung via Google Contacts.
* Die Apps habe ich willkürlich ausgewählt.

Multitasking

Wer würde ein Smartphone als solches bezeichnen, wenn man nicht einfach den Bildschirm in jedem Moment ausschalten könnte, um später an genau der Stelle weiterzuarbeiten? Richtig, Microsoft. Mit dem Nokia 301.

Möchte man beim Nokia 301 den Bildschirm ausschalten, so geht das über die  gleiche Taste, mit der man eine Anwendung beendet – nämlich der Auflegen-Taste. Erst dann kann man den Sperrcode »Menü – Sternchen« eingeben. Die aktive Anwendung ist aber somit zwangsweise beendet. Auch das Wechseln zwischen Anwendungen (z.B. für das Kopieren von Text) ist somit nicht möglich.

Ist das Nokia 301 ein Smartphone?

Kurze Antwort: Eindeutig Nein. Das Nokia 301 ist in keinerlei Hinsicht ein Smartphone.

Lange Antwort: Siehe Tabelle.

Nokia 301-Smartphone-Techniken (Tabelle)

In dieser Tabelle vergleiche ich das Nokia 301 mit meinem ersten Smartphone, dem HTC Hero (aka T-Mobile G2 Touch) aus dem Jahre 2009, sowie mit dem Samsung-Vize-Flaggschiff Galaxy S5 (SM-G900I).

FeatureNokia 301HTC HeroSamsung Galaxy S5
Konnektivität
WLANrotes Minus802.11b/g802.11a/802.11n/802.11ac
UMTS/HSPA (3G) Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken
LTE (4G) rotes Minus rotes Minus Grüner Haken
Bluetooth Bluetooth 3.0 Bluetooth 2.0+EDR4.0 Low Power
NFCrotes Minusrotes MinusGrüner Haken
Sensoren
Gyrosensor rotes Minus Grüner Haken Grüner Haken
Beschleunigungs-
sensor
 rotes Minus Grüner Haken Grüner Haken
Helligkeitssensor Grüner Haken Grüner Haken Grüner Haken
Kompass rotes Minus Grüner Haken Grüner Haken
Barometerrotes Minusrotes MinusGrüner Haken
Annäherungrotes MinusGrüner HakenGrüner Haken
Ortung
GPS / A-GPS rotes MinusGrüner Haken/ Grüner HakenGrüner Haken/Grüner Haken
GLONASS rotes Minus rotes MinusGrüner Haken
Technik
Auflösung320×240320×4801920×1080
Touchscreenrotes MinusGrüner HakenGrüner Haken
B.-Diagonale2.4″ (6.1cm)3.2″ (8.13cm)5.1″ (12.95cm)
Farben18 Bit16 Bit24 Bit
Frontkamerarotes Minusrotes Minus2 MP (1080p)
Kamera3.2 MP5.0 MP16 MP
BetriebssystemAsha S40Android 2.2 / 4.0*Android 5.1
App-Unterstützung
WhatsAppGrüner HakenGrüner HakenGrüner Haken
YouTubeGrüner HakenGrüner HakenGrüner Haken
Google ContactsGrüner Haken (via SyncML)Grüner HakenGrüner Haken
Facebookrotes MinusGrüner HakenGrüner Haken
Instagramrotes MinusGrüner HakenGrüner Haken

Fazit

Das Nokia 301 ist kein Smartphone, lediglich ein Feature-Phone. Es besitzt kein Multitasking, nahezu keine Sensoren und keine nativen Apps. Es ist lediglich ein Werbegag, dieses Telefon als Smartphone zu verkaufen und grenzt an Verbrauchertäuschung.

Neben der Hardware ist aber auch die Software nicht mit der Definition »Smartphone« kompatibel: Es unterstützt kein Multitasking und man kann den Bildschirm nicht ausschalten; Es kann nicht da weitermachen, wo man aufgehört hat.

Gerade im Vergleich mit dem Urgestein T-Mobile G2 Touch (HTC Hero) wird die Peinlichkeit deutlich: Selbst die ersten Smartphones waren besser als das Feature-Phone Nokia 301, welches sich als Smartphone bezeichnet. Trotz der Apps WhatsApp und YouTube ist es kein richtiges Smartphone, es versucht maximal die Lücke zwischen diesen Kategorien zu schließen.

Für diese Lücke gibt es aber eine nur sehr kleine Zielgruppe – Geschäftskunden. Und ob die genau diese Features wollen, oder ob nicht ein entweder einfacheres Handy genügt oder ob es dann lieber doch ein I-Phone sein soll, sei dahingestellt.

Was haltet ihr davon, ein solch – eigentlich schönes und brauchbares – Telefon als »Smartphone« zu verkaufen? Schreibt mir Eure Meinung in den Kommentaren! 🙂

Quellen

Fehler und Irrtümer vorbehalten – auch ich koche nur mit Wasser.

Quellen zum Nokia 301

  • http://www.inside-handy.de/handys/nokia-301/daten
  • http://www.microsoft.com/de-de/mobile/smartphone-handy/301/
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Nokia_Series_40

Quellen zum HTC Hero

  • http://en.wikipedia.org/wiki/HTC_Hero

Quellen zum Samsung Galaxy S5

  • http://en.wikipedia.org/wiki/Samsung_Galaxy_S5

 

Published inAndroid-SystemMobile

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