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Infografik Browseranteile in Deutschland

Tango Icon Internet, WebIn Deutschland sind alternative Browser so erfolgreich wie nirgendwo anders. Das ist gut für den Webstandard, denn durch die anhaltende Konkurrenz werden die Browserhersteller dazu gezwungen, dem Standard zu folgen.

Aktuell dazu ist eine Infografik bei Wedding & Keutel erschienen, die ich im Nachfolgenden noch etwas erklären und kommentieren möchte. Einige Daten müssen in dieser Betrachtung kritisch hinterfragt werden – etwa die weltweite Nutzungsstatistik.

Die Browser-Infografik

Die Infografik kann hier eingesehen werden:

browser-verteilung-weddig-keutel-2013-deutschland
Deutsche Browserverteilung 2013 nach Weddig & Keutel

Anmerkungen zur Infografik

Deutschland vs. International

Interessant ist, dass nur Deutschland es geschafft hat, den Internet Explorer zu verdrängen. Hierfür kann es mehrere Gründe geben.

Erstens ist es (auch in Deutschland) so, dass viele Benutzer von der Arbeit aus surfen. Aber gerade in amerikanischen und asiatischen Ländern wird hier oft kein alternativer Browser installiert und/oder zugelassen. Auch wenn ein Arbeitnehmer privat einen anderen Browser verwendet, so ist er die meiste Zeit doch mit einem – möglicherweise veralteten – Internet Explorer unterwegs. Durch unternehmensinterne Vorgaben und schlecht geschriebene eigene Webanwendungen ist der Internet Explorer für viele Arbeitnehmer sogar Zwang, obwohl er es gar nicht sein müsste.

Andererseits ist Asien traditionell bekannt für Windows-Schwarzkopien – ich vermeide hier bewusst das Wort Raubkopie. Geht man von einer unterdurchschnittlichen Benutzung aus – etwa aus Zeitgründen durch die oft längeren Arbeitszeiten – wird sicherlich weniger Invest in die Installation eines alternativen Browsers gesteckt.

Aber: Im Abschnitt Kontroversen sieht man deutlich, warum man den hier angegebenen Zahlen nicht ohne weiteres trauen sollte.

Chrome vs Firefox

Bedeutend ist auch die Eigenschaft, dass Chrome so weit vorne rangiert. Vor Safari und weit vor dem Internet Explorer ist er der beliebteste Browser Nummer zwei der Deutschen. Wie kann das sein?

Zum einen hat Google sehr viel Werbung gemacht. Offline wie online. Als Suchmaschine Nummer eins in Deutschland kann Google natürlich sehr effektiv und prominent den Browser auf der eigenen Google-Startseite bewerben. Es ist kein Wunder, wenn sich viele Nutzer deswegen den Google-Browser installieren.

Außerdem gab es viel Offline-Werbung, etwa in Hannover an den diversen Stadtbahnhaltestellen. Leider habe ich kein Bild zur Hand, die Werbung war sehr prominent.

Als dritter, wichtiger Punkt ist das mobile Betriebssystem Android zu nennen. Dessen Browser identifiziert sich ebenfalls als Chrome, wie ein User auf Stackoverflow berichtet. Das würde sehr viel dafür sprechen, dass Firefox auf dem Desktop und Chrome auf dem Mobiltelefon verwendet wird.

Der Browser Iron

Iron vor Opera. Wirklich? Das hätte ich zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht erwartet. Sicher werden einige Benutzer Opera in naher Zukunft den Rücken kehren, da Opera auf Webkit umsteigt.

An sich ist der Browser von der Idee her gar nicht so schlecht. Die Entwickler erkannten das Potential von Chrome, wollten diese aber ohne Googles Identifier und Verdrahtung nutzen. Dessen Basis Chromium kann wiederum einige andere Features nicht (etwa h264-Videos abspielen), sucht aber automatisch noch immer bei Google, falls eine URL nicht gefunden wurde. Hier setzt Iron auf: es deaktiviert etwa DNS-Prefetching, welches laut Google aber ein sehr praktisches Feature ist.

Der Abfall von Firefox

Firefox ist nicht mehr lange Spitzenreiter – glaubt man der Infografik. Ich finde das persönlich gar nicht so schlimm. Firefox hat einen sehr wichtigen Zweck erfüllt: Microsofts absolute Dominanz und das Einstauben der Webstandards verhindert: Das Resultat aus dem ersten Browserkrieg.

Firefox ist also ein Wegbereiter. Er wird so schnell nicht untergehen, keine Frage. Aber seinen größten Dienst hat er vielleicht bereits geleistet. Er hat für besser verteilte Marktanteile gesorgt – und damit für einen besseren Wettbewerb geschaffen.

Kontroversen

Nutzungsstatistik lt. Wikimedia

Die Nutzungsstatistiken der Wikimedia-Seiten sprechen ein anderes Bild. Im Artikel Browser wars ist eine weltweite Nutzungsstatistik beschrieben, die der vorliegenden Infografik widerspricht. Die Quelle der Infografik sind die Global Stats auf Statcounter.

Browserverteilung nach Statcounter am 28.06.2013
Browserverteilung nach Statcounter am 28.06.2013

Der Internet Explorer kommt hier viel schlechter weg, als die 60% laut Infografik. Außerdem hat hier Chrome bereits international die Führung, Auch die Statistiken von w3schools sprechen eine andere Sprache.

Statistiken auf Wikipedia selbst

Wikimedia und deren Tochterseiten (Wikipedia, Wikimedia Commons, etc.) haben einen besonders hohen Anteil an Alternativbrowsern.

Statistiken von netmarketshare

Eine andere Sprache sprechen die Statistiken von netmarketshare. Hier kommt der IE tatsächlich auf fast 60%. Allerdings weicht diese Statistik weit von allen anderen ab, wie man in der englischen Wikipedia gut sehen kann.

Ausblick

Für Deutschland gibt es die zufriedenstellende Prognose, dass die Browser- und damit Webwelt völlig in Ordnung ist. Weltweit sieht der Marktanteil zwar noch sehr monopolistisch aus, aber das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Dazu beitragen werden unter anderem Google, wie auch die Free Software Foundation.

Mit der neuen Browser-Engine Blink in Google Chrome werden Webstandards in Zukunft noch weiter beachtet werden müssen – jetzt, wo einer der großen noch eine neue Engine auf den Markt wirft. Das alles ist eine gute Nachricht für Webentwickler und damit letztendlich auch für die Nutzer.

Weblinks

 

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