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Google macht mit WebP das Web schneller

Tango Icon Internet, WebDamit eine Firma von ihren Produkten leben kann, muss natürlich eine entsprechende Grundlage vorhanden sein. Beispielsweise würden Autohersteller keine Autos verkaufen können, gäbe es keine Straßen. Und bessere Autos brauchen auch möglichst gute und breite Straßen.

So ähnlich ist das bei Google: Die Webtechnologien an sich, die vom W3C standardisiert sind, sind die Grundlage für Googles täglich Brot. Im Gegensatz zu den Autoherstellern will Google aber kräftig mitmischen – nicht nur zum eigenen Wohl, sondern dadurch auch zum Wohl aller.

Google setzt nun auf das neue Grafikformat WebP, mit dem viele Seiten schneller laden sollen als bisher. Die erste Umsetzung gibt es bereits, wie nun im offiziellen Chromium-Blog angekündigt wurde.

Das Grafikformat WebP ist kleiner

Zugegeben, so ganz neu und überraschend kam die Ankündigung nicht, WebP nun im Chrome Web Store einzusetzen. Die Erstveröffentlichung ist immerhin aus dem Jahr 2010. Dennoch dauert es leider immer etwas, bis sich neue Formate (bald möglicherweise Standards) durchsetzen. WebP (gesprochen: »weppy«) ist hiervon keine Ausnahme. Etwas forcieren kann Google das neue Grafikformat dadurch, dass es einen eigenen Browser im Hause gibt – Chrome, bzw. dessen Abkömmling Chromium. Dieser unterstützt WebP schon seit der Version 9.0.568.0 vom 29. Oktober 2010 – also fast zweieinhalb Jahre.

Warum der Chrome Web Store?

Warum werden Bilder nun ausgerechnet im Chrome Web Store als erstes in WebP konvertiert? Nun, die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Mir fallen sofort zwei gute Gründe ein:

  • Die Wahrscheinlichkeit ist hier besonders hoch, dass ein User die Seite mit einem Chromium-Basierten Browser ansurft.
  • Im Chrome Web Store gibt es besonders viele und große Bilder auf der Startseite.

Google möchte laut eigener Aussage das Surf-Erlebnis verbessern. Dazu gehöre auch, dass die Seiten schnell laden. Bei einem besseren Komprimierungsgrad von bis zu 35 % komme man dem Ziel schon sehr viel näher – bei annähernd gleichbleibender Qualität.

Beispielbilder mit WebP

Ein besonders gelungenes Beispiel liefert Google gleich mit. So ist das Beispielbild des Google Calendars als WebP nur 8.3kB groß – als JPEG mit 32kB wesentlich größer.

Vergleich JPG zu WebP im Chrome Web Store
Extension/AppnameJPG-GrößeWebP-GrößeErsparnis
Google Maps27.8 kB10.4 kB 62.6 %
Cut the Rope61.9 kB26.3 kB 57.5 %
Bejeweled75.8 kB32.6 kB 57.0 %
Minecraft61.6 kB30.4 kB 50.6 %
Google Calendar32 kB (s.o.)8.3 kB (s.o.) 74.1 %

Nun kann man Google meiner Meinung nach hier wirklich nicht vorwerfen, sein Monopol zu missbrauchen. Aus meiner Sicht handelt Google hier mit WebP wirklich nach dem Prinzip Make the Web faster. Bei jedem der von mir zufällig ausgesuchten App-Bilder spart man mehr als die Hälfte der Dateigröße ein!

WebP-Bilder erstellen

Google liefert ein Tool, welches beliebige Grafiken in WebP umwandelt. Der Download heißt Precompiled WebP utilities and library und ist auf Google Dev zu finden.

Außerdem findet man dort auch den WebP Codec for Windows. Mit diesem lassen sich WebP-Bilder auch über Standard-Windows-Wege betrachten. Er ist ein sinnvoller Zusatz zur Installation.

Für kompilierwillige Anwender gibt es auch ein WebP-Plugin für GIMP. Es liegt allerdings im Quellcode vor und muss erst kompiliert werden. Für Nutzer von Ubuntu (und Derrivaten) gibt es ein PPA für WebP, welches in diesem Beitrag auf Ask Ubuntu näher beschrieben ist.

Andere Bestrebungen für schnelles Internet

Google möchte das Web aber nicht nur durch schneller ladende Bilder besser machen, sondern auch durch andere Technologien.

WebM – freie, kleine Videos

Das von Matroska abgeleitete WebM ist das Video-Containerformat von Google. Es beherbergt neben dem Audio-Codec Vorbis den Videocodec VP8, und bald VP9. Diese Codecs sind frei zu verwenden und relativ effizient. Zugegeben, der konkurrierende Codec-Standard H.264 ist wesentlich besser – aber war ursprünglich nicht lizenzfrei. Er ist es erst geworden, als Google VP8 aufkaufte und als Open Source Software veröffentlichte.

Dennoch ist VP8 ausreichend gut und eine tolle Alternative, um WebVideos ohne lizenzbehaftete Formate (Flash, H264/MPEG4 etc.) auf seinen Seiten einzubinden. Außerdem lassen sich seitens YouTube WebM-Videos einbetten.

Google Page Speed

Auch für den restlichen Quellcode einer Internetseite – etwa JavaScript, Cascading Style Sheets (CSS) und natürlich HTML schlägt Google Verbesserungen vor. Dazu hat Google das Apache-Werbservermodul mod_pagespeed entwickelt. Es setzt automatisch Verbesserungen um, die Google auch über andere Plugins und die Webmaster-Tools empfiehlt.

Fazit

Google liefert mit der Entwicklung von WebP einen weiteren Beitrag für ein schnelleres Internet. Zwar ist es nur ein relativ kleiner Beitrag und hängt vom Bildanteil der angesteuerten Internetseiten ab; Dennoch macht er sich bemerktbar.

Published inBasiswissenInternetseiten vorgestelltIT-News-Kommentare

2 Comments

  1. Hoshpak Hoshpak

    Schöne Zusammenfassung. Ich glaube allerdings nicht, dass WebP langfristig erfolgreich sein wird. JPEG, PNG (und gelegentlich auch noch gif) haben sich seit langem durchgesetzt und fallen in die Kategorie „gut genug“, so dass der Anreiz zum Wechsel (sowohl für Webseitenbetreiber, als auch für User, die entsprechende Nachfrage generieren könnten) gering ist.

    Auch sind veraltete Softwareversionen immer noch sehr weit verbreitet und werden das auch langfristig nicht unterstützen. Ich sehe das zum Beispiel jeden Tag bei SNI, für dessen Nutzung Internet Explorer 6 und Windows XP immer noch ein entscheidender Hemmschuh sind.

    Zu guter Letzt fehlt es Google auch an Entschlossenheit, eigene Technologien wirklich durchzusetzen. WebM war schon auf einem guten Weg, der Support in fast allen großen Browsern war da. Google hätte die Möglichkeit gehabt, dem Codec mit Youtube einen entscheideneden Schub zu verpassen. Stattdessen gab es zaghafte Versuche, von denen nicht viel übrig blieb. Wenn ich heute ein Video auf Youtube anschauen möchte, liegt das in aller Regel nicht nur ausschließlich in h264 vor, sondern ist auch nur noch per Flash Player abspielbar (selbst in Browsern, die h264 nativ können). Zum Glück gibt es ja youtube-dl etc., aber ärgerlich ist das schon. Wer setzt schon auf eine Technologie, an die der Initiator selbst nicht glaubt?

    Und auch wenn es vielleicht manchmal rausrutscht, bitte nicht vergessen: Internet != Web.

    • Benjamin Marwell Benjamin Marwell

      Hallo Hoshpak,

      mit dem „gut genug“ wirst du wohl leider Recht haben. So optimistisch bin ich da auch nicht. Und bei Windows XP schiebe ich das Problem einfach mal dreist in Richtung Microsoft – mein Hoster unterstützt es zum Glück trotzdem.

      Bei YouTube gibt es ja seit langem einen HTML5-Modus, der sich unter http://www.youtube.com/html5 aktivieren lässt. Als Fallback wird dann wieder auf Flash gesetzt. Es wäre also kein Problem gewesen, dieses per Default zu aktivieren, da gebe ich Dir recht.
      Leider gibt es da immer noch das Problem mit der Werbung vor den Videos – das geht bei HTML5-Videos nicht so einfach. Das ist wohl auch ein Grund, warum Google es nicht durchgedrückt hat. Warum Microsoft sich weigert, WebM zu unterstützen ist mir indes noch ein Rätsel. Wohl nur, um möglichst viele wmv-Lizenzen verkaufen zu können. Schade.

      Internet != Web – richtig. Mit Web bezeichnet man ja i.d.R. nur den Port 80/443-HTTP(S)-Traffic.

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