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Dropbox vs. myDrive

Dropbox oder MyDrive? Das ist eine weitere mögliche Frage, wenn es um das Thema Online-Festplatte geht. Beide haben ihre Reize und ihre Tücken. Davon hier mal ein paar aufgelistet.

Art des Uploads

MyDrive geht einen sehr komfortablen Weg über webdav bzw. webdavs. man kann sich also sicher sein, dass seine Daten verschlüsselt übertragen werden – so lange man ein s sieht. Außerdem handelt es sich bei webdav um einen offenen Standard, so dass also Mac- wie auch Windows- und Linuxnutzer sofort loslegen können. Das ist sehr angenehm. Des weiteren wird auch ein sehr nettes Webinterface bereitgestellt.

Dropbox hingegen lässt sich nur über zwei andere Wege bedienen: Webinterface und lokale Software. Beides hat einen Vorteil: Das Webinterface im Browser lässt sich gut von Fremd-PCs nutzen, und benötigt nur einen Browser, während webdav eventuell Zusatzrechte benötigt. Die Software von Dropbox stellt außerdem eine wunderschöne Integration ins Betriebssystem bereit, so dass man über den Status immer bestens informiert ist.

Dropbox "Public"-Ordner
Installiertes Dropbox, hier ist der öffentliche Ordner zu sehen

Sehr schön zu sehen sind hier die grünen Haken: Die Datei ist hochgeladen. Befindet sich eine Datei noch im Uploadprozess, so wird stattdessen ein Synchronisationssymbol angezeigt.

Die weitere Integration besteht aus einem Tray-Icon (Icon in der Statuszeile des Betriebssystems) sowie einem Kontextmenü, welches im jeweiligen Dropbox-Ordner aktiv wird:

Dropbox Tray and File Menu
Dropbox Icon und Dateimenü

Beui einem Mouseover oder einem Rechtsklick auf das Icon (im Bild mittig) wird dann ggf. ein aktueller Upload mit Geschwündigkeit und Restdauer angezeigt. Hier würde ich mir noch eine bessere Integration ins jeweilige OS wünschen (hier: Linux mit KDE).

Sicherheit und Verschlüsselung

Leider gibt Dropbox nur die Auskunft über eine SSL-Verbindung (Dateien liegen mit AES-256 auf dem Server). Details zur Implementierung erfährt man aber nicht und sind interna. Ob das also stimmt, weiß man nicht sicher (nur, dass es irgenwdie verschlüsselt ist).

Bei MyDrive hingegen kann man sich durch die Nutzung des SSL-Protokolls sicher sein, dass ein gut getesteter Standard genutzt wird. Leider werden die Dateien nicht verschlüsselt auf dem Server abgelegt.

Speicher

Die wohl mit entscheidende Frage. Dropbox spendiert 2 GiB sofort, wenn man eine Tour mitgemacht hat 250 MiB extra, und dann für jeden geworbenen Freund auch noch einmal 250 MiB extra. Das funktioniert so lange, bis man 5 GiB hat. Für $ 100,- kriegt man 50 GiB, für $ 200,- auch 100 GiB (jeweils pro Jahr [p. a.]). Das sind ca. € 70,- und € 140,- (stand Januar 2010).

Bei MyDrive gibt es keine Werbeboni, aber man sich Speicher kaufen. Für weitere 5 GiB zahlt man z.B. € 1,75 pro Monat. Das kriegt man sogar mit einem eigenen Webspace und/oder Server besser und günstiger hin. Schade. Auch bei größeren Mengen ist MyDrive teurer: 50 GiB kosten € 120,- p.a. und 100 GiB kosten € 204,-.  MyDrive ist damit auch mehr als 80% teurer als Dropbox!

Externe Links und Gastaccounts

… sind in Dropbox ganz einfach: sofern die Datei im Ordner „Public“ liegt, einfach Rechtsklick -> Copy Public Link (siehe Bild oben). Irgendwo einfügen, und jeder kann drauf zugreifen. Browsen kann man den Public-Ordner aber von außen nicht, was ein großes Plus ist! Einen gesonderten Gastaccount gibt es nicht, nur gemeinsame Ordner: Es muss also jeder Nutzer eines geschlossenen Personenkreises registriert sein!

… sind auch bei MyDrive möglich: Gastaccounts gibt es aber nur einen (zusätzliche Kosten), und öffentliche Links leider auch gar nicht. Vorteil daran: Mann kann pro Ordner die Zugriffe für den Gast festlegen: Unsichtbar, Lesezugriff, Uploadzugriff (neue Dateien hinzufügen) oder halt Vollzugriff mit Lösch- und Modifikationsrechten.

Beide Methoden haben sicherlich ihre Vor- und Nachteile und sind Geschmackssache, da kein Dienst beide möglichkeiten bietet.

Revisionen

Dropbox erstellt automatisch Dateiversionen. Hat man also eine Datei mit einer neueren Version überschrieben (z.B. ein geändetrer Text), so kann man sich auch die Vor- und Vorvorversion (usw.) angucken. Das kann sehr praktisch sein, falls man mit mehreren Nutzern an einem Dokument arbeitet, oder man ausversehen eine Datei überschreibt.

MyDrive hat solch ein Feature leider nicht.

Fazit

Wer einen Freundeskreis hat, und kein großes User- und Rechtemanagement braucht, ist beim kostenlosen Dropbox sicherlich gut aufgehoben. Grade die Versionierung ist für Teamarbeit super praktisch und kann auch bei Einzelarbeiten einem die ein- oder andere Restaurierungsstunde ersparen.

Für alle mit höheren Anforderungen ans Benutzermanagement gibt es MyDrive, wo man aber nicht „mal eben“ Ordner mit bestehenden Nutzern teilen und Gastlinks verschicken kann. Außerdem ist es auch leider sehr viel teurer.

Wer noch weitere Argumente pro und kontra Dropbox/MyDrive hat – ich bin über Anregungen und konstruktive Kritik dankbar!

Weiterführende Links

Published inInformation TechnologySoftware vorgestellt

4 Comments

  1. günni günni

    Ein entscheidender Unterschied aus meiner Sicht:
    Dropbox ist ein Synchronisierungstool, das heisst, die Daten werden zwischen dem lokalen Computer und dem Dropbox-Server synchronisiert. Sie sind also auf beiden Rechnern vorhanden, und sollte einer der beiden Rechner abschmieren, gibt es eine Kopie der Daten. Auch kann man offline auf die Daten zugreifen, und sobald man wieder online ist, werden die geänderten Daten wieder auf den neuesten Stand gebracht. Ebenso ist man vor einer Insolvenz der Firma Dropbox insofern geschützt, als man die Daten, die bei Dropbox liegen, ja lokal auch noch besitzt.
    MyDrive ist dagegen ein reiner Internetspeicher. Die Daten sind nur einmal vorhanden, nämlich bei MyDrive, und wenn es bei MyDrive aus technischen oder finanziellen Gründen Probleme geben sollte, sind die Daten nicht mehr verfügbar oder ganz weg. Aussetrdem kann man nicht auf die Daten zugreifen, wenn man mal offline ist.
    Aus meiner Sicht ist das ein klarer Punkt für Dropbox.

  2. Phil Phil

    Ein weiterer, sehr wichtiger, Unterschied ist der Unternehmenssitz. Während Dropbox in den Vereinigten Staaten sitzt und damit kein Datenschutz gewährleistet ist, gilt bei myDrive das sehr konsumentenfreundliche Schweizer Datenschutzgesetz.
    Dies ist meiner Meinung nach ein bedeutender Vorteil für myDrive, da meine Daten auf deren Server halbwegs sicher sind.

    • Ben Ben

      Sehr guter Einwand, danke!
      Generell würde ich fremden Diensten aber meine „wichtigen“ Daten eh nicht unverschlüsselt anbieten. Liste der TANs (ja, so etwas gibt es bei einigen Banken noch), private Fotos, Passwörter etc. haben auf solchen Onlinespeichern also sowieso nichts verloren.
      Verschlüsselung/Datenschutz bei Dropbox ist wohl ein gutes Thema für einen weiteren Artikel, an den ich mich setzen sollte.

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