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Alternativen zum Google Reader

Google stellt den Dienst Google Reader zum 1. Juli ein. Das ist eine sehr traurige Nachricht für viele Nutzer, denn der Dienst war unter diesen extrem beliebt. Zwar sanken die Nutzungszahlen in den vergangenen Jahren, aber scheinbar haben sich nur wenige Nutzer nach einer Alternative umgesehen.

Christian Pohl  / <a href="http://www.pixelio.de">pixelio.de</a>
Christian Pohl / pixelio.de

Zum Glück gibt es aber ein paar Alternativen – und die Feeds lassen sich auch mit ein paar Handgriffen aus dem Google Reader exportieren und im neuen Dienst importieren.

Google macht den RSS-Dienst Reader dicht 

no feed
no feed

So titelt heise.de am heutigen Donnerstag. Zu den Gründen weiß heise zu berichten: Alan Green nennt zwei beonsders wichtige Gründe, warum Google den RSS-Dienst Reader einstellen möchte.

Zum einen möchte Google sich in Zukunft auf weniger Produkte konzentrieren. Aus meiner Sicht geht es Google vor allem darum, Produkte über Bord zu werfen, die nur wenig bis keinen Profit einbringen. Der zweite Grund ist, wie im Teaser genannt, die Stagnation der Userzahlen. Man könnte hier aber einwenden, dass die Feeds Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Lesers zulassen – ein Profil, welches aus Marketingsicht bares Geld wert sein könnte! Scheinbar waren aber genau dafür die Nutzungszahlen zu klein.

Userzahlen – Ursachenforschung

Heise behauptet (leider ohne weitere Quellenangabe):

In letzter Zeit ist aber vermehrt festzustellen, dass die User für Übersichten über die Dinge im Netz, die sie interessieren, eher auf Facebook-Freundeshinweise und Twitter-Followerlisten zurückgreifen, während RSS-Dienste eher rückläufige Nutzerzahlen haben. Teilweise wurde daher die Zukunft von RSS schon in Frage gestellt [..]

An dieser Stelle möchte ich einwerfen, dass soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder auch Xing nicht die sortierte Übersicht erlauben, wie der Google Reader. Im Google Reader oder auch in anderen Desktop-Readern lässt sich jede Nachricht einzeln anzeigen, oder als gelesen/uninteressant markieren. Der Vorteil liegt unter anderem in der Auswertung: Über Statistiken (bei Google Reader: »Trends«) erkennt man so schnell tote oder uninteressant gewordene Blogs, die man dann aus dem Reader entfernen kann.

In einem Kommentar geht Autor Jörg Wirtgen sogar soweit und schreibt:

Für mich persönlich hat Google ein großes Stück Vertrauen verspielt, das vielleicht sogar den Ausschlag gibt, zukünftig auf Google-Dienste zu verzichten, vor allem auf die kostenlosen.

Da ist irgendwo etwas dran. Denn auch Android, Google Mail und Chrome sind kostenlose Dienste von Google. Und wegen mangelnder Tranzparenz weiß kein Mensch, ob und wann Google unprofitable Dienste einstellt. Und welche das sind.

Der beste Foren-Kommentar dazu von Heise-Leser acls:

Wer auf externe Cloud-Dienste setzt, geht leider immer das Risiko
ein, dass die irgendwann eingestellt werden.

Recht hat er. Obwohl leider auch bezahlte Cloud-Dienste durchaus Insolvenz anmelden können.

Datenexport

Stichwort Data Liberation

Der Export aus dem Google Reader ist dank der Data Liberation Front einfach zu finden. Die Data Liberation Front hat es sich zum Ziel gesetzt, die »klemmenden Türen« zu schmieren, wie sie selbst schreibt.

Der DL-Eintrag zum Google Reader listet dabei die exportierten Informationen auf, sowie ein Link zum Export bei Google Takeout.

Der Export bei Google Takeout

Googles Export-Tool nennt sich Takeout – englisch für »herausnehmen«. Google stellt dabei auch einen Link zur Verfügung, um gezielt nur die Daten vom Google Reader zu exportieren.

Google Takeout: Reader
Google Takeout in Arbeit: Datenexport vom Google Reader

Alternativen

Nun könnte man meinen, zu einer so beliebten Web-Software wie Google Reader gäbe es zig Alternativen – ganz ist dem aber nicht so. Es gibt durchaus aber einige gute Alternativen. Christoph hat auf Linux und ich vor allem selbst gehostete Alternativen zum Google Reader vorgestellt.

Ich werde im folgenden zwischen Web- und Desktopalternativen unterscheiden. Die Webdienste unterscheide ich noch einmal in gehosteten Diensten, die für den User das Hosting bereitstellen. Im Gegensatz dazu kann man mit dem Einsatz der korrekten Software auch seinen eigenen RSS-Aggregator hosten. Das ist ganz besonders beim Aspekt Datenschutz interessant, da so kein Fremdanbieter ein Profil über einen erstellt.

Hosted RSS-Webdienste

NewsBlur Personal News Reader

Eine der wohl interessantesten Alternativen ist NewsBlur. NewsBlur wurde bereits von Gary Price auf Search Engine Land empfohlen, und schneidet gut bei LifeHacker ab. Gary Price zählt dabei gute Gründe für NewsBlur auf (hier übersetzt):

  1. Die Migration von Google Reader ist einfach. Zielen, Klicken, und in wenigen Minuten sind die Feeds bei NewsBlur.
    NewsBlur: Import aus Google Reader
    NewsBlur: Import aus Google Reader
  2. Die Feeds können in drei Formaten angezeigt werden.
  3. Artikel lassen sich bei Diensten wie Evernote, Instapaper etc. speichern.
  4. Auf seinem Newsblur-Blog lassen sich Artikel teilen und kommentieren.
  5. Apps für I-Phone, I-Pad und Android. I-Phone ist der primäre Weg, wie ich [Gary Price] Newsblur benutze.
  6. Kosten? Derzeit sind bis zu 64 Feeds kostenfrei. Eine unbegrenzte Zahl von Feeds und ein paar zusätzliche Features (etwa öftere Checks auf neue Artikel) kosten $1 bis $3 pro Monat.
  7. Feeds werden bereits oft geprüft (und 10x mehr für zahlende Nutzer).
  8. Newsblur kann lernen, was für den Benutzer am wichtigsten ist, und Artikel mit bestimmten Kriterien hervorheben. Eine Beschreibung von Newsblur, wie dieses Feature funktioniert:
    1. Durch die Nutzung von NewsBlurs Training-Filter kannst Du Artikel verstekcne, die Du nicht sehen möchtest, und Artikel hervorheben, die Dich interessieren. NewsBlur Dein Interesse (oder das fehlende) an bestimmten Blogs Autoren oder Themen beizubringen, reduziert das Rauschen und verbindet Dich mit den Neuigkeiten, die Dich am meisten interessieren.
  9. Newsblurs Code ist Open Source und auf GitHub zu finden.
  10. Es ist eine gute Sache, die Arbeit kleiner Firmen zu unterstützen. (-:

Alles in allem sind das Punkte, die wirklich für NewsBlur sprechen. Außerdem gibt es eine NewsBlur-App für Android sowie seit 2011 eine für Mobilgeräte optimierte Seitenansicht.

NetVibes

NetVibes ist ein Dienst, der sich mit »Dashboard Everything« betitelt. Er erhebt also den Anspruch, alle für den Nutzer relevanten Daten übersichtlich auf einer Seite darstellen zu können. Einen Screenshot findet man auch bei LifeHacker.

netvibes.com Header
netvibes.com Header

Laut LifeHacker ist NetVibes einer der beliebtesten Dienste bietet ein dem Google Reader ähnliches Interface, sowie eine Homepage die sich wie das damalige iGoogle anpassen lässt. Auch bei NetVibes gibt es Premiumkonten – diese kosten aber über $ 499 pro Monat und sind für normale Nutzer daher uninteressant.

Feedly

Feedly geht aus meiner Sicht einen etwas umständlichen Weg. Zwar ist auch diese Lösung fremdgehostet, erfordert aber dennoch die Installation eines lokalen Add-Ons. Damit ist man auf die Browser Firefox, Safari und Chrome beschränkt, sowie auf die Mobilgeräte mit iOS und Android. Nutzer anderer Betriebssysteme oder Browser sind damit außen vor. Ebenfalls diejenigen, die ihre News auf der Arbeit lesen wollen, und möglicherweise gar keine Berechtigung für eine (lokale) AddOn-Installation besitzen.

Feedly Google Reader-Ansicht
Feedly Google Reader-Ansicht

Feedly hat aber von allen Anbietern scheinbar am schnellsten reagiert. Es gibt einen Blogpost über einen nahtlosen Übergang vom Google Reader zu Feedly. Wie man im Bildschirmfoto sieht, lässt sich Feedly sogar recht ähnlich zum Aussehen des Google Readers anpassen.

Nichts desto trotz ist Feedly für mich keine wirkliche Alternative – die Installation eines Plugins halte ich schlichtweg für unnötig. Eine App ist in Ordnung für unterwegs. Aber wie man gleich sehen wird, sind freie Alternativen zum selber Hosten Feedly hier einiges vorraus.

Self hosting – Webdienste

Tiny Tiny RSS

Eine Webanwendung zum selbst installieren ist Tiny Tiny RSS. Zwar bringt TinyTinyRSS einen zunächst scheinbar spartanischen Look mit sich. Der Eindruck täuscht aber, denn die Oberfläche arbeitet komplett mit AJAX und unterstützt auch Mobilgeräte und Tastaturkürzel. Die Einstellungen lassen sich über ein Backend verwalten (Bildschirmfoto vom Backend).

Tiny Tiny RSS Screenshot
Tiny Tiny RSS Screenshot

Mit den Serveranforderungen bin ich mir nicht ganz sicher. Auf der Seite steht: pcntl is required for forking update daemon. Das klingt für mich nach einer Art Ersatz für Cronjobs, aber die Bibliothek kenne ich leider nicht. Mein PHP wurde auch nicht mit pcntl kompiliert. Alternativ lässt sich TT-RSS auch per Cronjobs oder Webinterface-Aktion aktualisieren.

Der SourceCode von TinyTinyRSS ist unter der GPL lizenziert und ist auch auf GitHub verfügbar.

Gregarius

Ein seit Januar 2011 nicht mehr weiterentwickelter RSS-Aggregator und RSS-Reader ist Gregarius. Da ich ihn nie genutzt habe, und wegen der stagnierenden Entwicklung auch nicht nutzen werde, gehe ich nicht weiter auf diesen ein. Laut User Ratings auf sourceforge.net und Linux-und-ich-Autor Christoph scheint er dennoch ein qualitativ hochwertiger RSS-Aggregator zu sein.

selfoss

Screenshot: Selfoss auf dem Smartphone
Auch auf dem Smartphone macht Selfoss eine gute Figur.

Auch Selfoss buhlt als Nachfolger von rsslounge um die Gunst der Anwender. Er sieht sehr schön aus, ist schnell installiert und sieht besonders schick aus. Er hat ein „responsive Design“, welches auch auf dem Tablet oder Smartphone gut skaliert. Als scheinbar einziger RSS-Reader im Test beherrscht er auch das Kategorisieren nach Tags, anstatt nur nach Ordnern (wie bei TinyTinyRSS). Das ist durchaus ein großer Pluspunkt, falls man sehr viele Feeds mit entsprechend vielem Newsaufkommen nutzt.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, mit Spouts eigene Datenquellen anzugeben. Damit lassen sich News von Seiten aggregieren, die etwa kein eigenes RSS-Feed bereitstellen.

Mit unter zwei MiB ist er zudem wirklich sehr klein. Selfoss stellt folgende Anforderungen an den Webspace:

  • PHP 5.3 oder höher.
  • MySQL (ab Version 4.5) oder Sqlite.
  • Apache Webserver, alternativ nginx und lighttpd.
  • Einen Cronjob, um die Update-URL aufzurufen.

Leider scheitert es bei den Freehostern oftmals am Cronjob. Hier kann man sich über Web-Cron-Services behelfen, etwa web-cronjob.de. Ein weiterer Nachteil könnte sein, dass ein Großteil der Konfiguration nur in einer Config-Datei möglich ist – nicht aber im Webinterface.

Der Sourcecode dazu kann ebenfalls auf GitHub gefunden werden. Geschrieben wird selfoss von Tobias Zeising.

rsslounge

Noch ein weiterer RSS-Reader zum selber hosten ist rsslounge, ebenfalls von Tobias Zeising. Dieser setzt die Priorität auf Organisation, so dass man Artikel nach Priorität filtern kann. Ebenfalls ist es möglich eine hierarchische Kategorisierung der Feeds zu erstellen – damit kann man wie im Google Reader nach Themengebieten lesen. RSSLounge wird aber nicht mehr weiterentwickelt und wurde von selfoss überholt.

Den Quellcode von rsslounge auf Google Code.

Desktop-Anwendungen

Auch Desktopanwendungen können eine gute Alternative sein. Einige Desktop-Anwendungen sind mit mehr Features ausgestattet als die genannten Webanwendungen. Leider sind die Anwendungen nicht ohne weiteres portabel. Möchte man also zu Hause vom Linux-Rechner lesen und auf der Arbeit vom Windows 7-PC, so steht man hier selbst mit Portable Apps vor einer Hürde. Wer seine RSS-Feeds aber nur an einem Ort oder nur an Windows-Rechnern lesen wird den stört diese Einschränkung nicht.

Liferea

In den Repositories so ziemlich jeder Linux-Distribution ist Liferea zu finden. Dieser RSS-Reader ist sehr übersichtlich aufgebaut. Das besondere an ihm ist, dass er der obenen genannten Einschränkung (keine Synchronisation zu Webdiensten) durch einen Trick entkommt: Er kann sich mit TinyTinyRSS synchronisieren.

Auch Liferea beherrscht die hierarchische Sortierung in Ordnern, sowie das Markieren von Nachrichten.

Akregator

Die mit einem »K« geschriebene Desktopanwendung Akregator gehört natürlich zum KDE-Desktop und ist ein Teil der Kontact-Suite. Sie integriert sich zudem mit dem Browser Konqueror und legt wert auf einfache Nutzung.

Akregator KDE4 in Kontact
Akregator KDE4 in Kontact. CC-SA von Qiii2006 über KDE Wiki.

RSSOwl

Auch für Windows findet sich ein RSS-Leser, dieser heißt RSSOwl. Dieser Leser ist aber auch für MacOS X und Linux verfügbar, so dass er auch nach einem Plattformwechsel weiterhin verwendbar ist. Leider synchronisiert auch dieser Reader nur über Google Reader, so dass er für Umsteiger sicher ebenfalls keine Alternative sein dürfte.

Reine Mobilanwendungen

Google Currents

Eien interessante Alternative ist sicherlich Google Currents – zumal Google damit eine Alternative im eigenen Haus besitzt. Wer Feeds sowieso nur auf seinen Mobilgeräten liest, sollte einen Blick auf Google Currents werfen. Es synchronisiert sich über das Google-Konto und bereitet die Feeds in einer Magazin-Ansicht auf.

Fazit

Alternativen gibt es viele. Während andere Seiten meistens nur aus einer der von mir genannten Kategorien Software vorstellen, wollte ich einmal den Rundumschlag machen. Einige Google Reader-Nutzer werden möglicherweise auf eine Self-Hostet-Lösung umschwenken, andere suchen sich hingegen eine andere gehostete Lösung.

Ich selbst werde demnächst TinyTinyRSS und selfoss ausprobieren. Welchen Weg geht ihr? Welches Angebot gefällt euch am Besten?

Published inInternetseiten vorgestelltIT-News-Kommentare

3 Comments

  1. Wenn man sich für einen neuen Reader entscheidet, würde ich noch raten, die Feeds manuell einzutragen. So kann man gleich die ganzen Feedburner-Feeds gegen die direkten Feeds wechseln. Denn Feedburner dürfte wahrscheinlich so das nächste grössere Tool von Google sein, was fliegt…
    Die haben das Teil vor Jahren gekauft und können offensichtlich nichts damit anfangen…

    • Benjamin Marwell Benjamin Marwell

      die ganzen Feedburner-Feeds gegen die direkten Feeds wechseln
      Sehr wertvoller Tipp, dankeschön! FeedBurner hatte ich schon ziemlich verdrängt.

      Ich habe Feedburner quasi nie benutzt, weil es immer so unfertig wirkte.

  2. Dani Dani

    Kein Problem Benjamin,
    Auch wenn man es selbst nie genutzt hat, ist die Chance gross, dass man solche Feeds gespeichert hat.
    Du hast recht, Feedburner war tatsächlich ein guter Anfang von irgendwas… Schade, dass daraus nichts wurde.

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